Historische Grenzsteige um Waidhaus: Drei Wege im Vergleich
Historische Wanderwege bei Waidhaus führen nicht nur durch Wald und Höhenzüge, sondern durch einen Raum, in dem sich Handelsgeschichte, Grenzpolitik und Naturschutz unmittelbar überlagern.

Wer hier unterwegs ist, bewegt sich auf Wegen, deren Bedeutung sich erst nach und nach erschließt: an einem alten Steig, an der Linienführung eines Fernwanderwegs oder an einem unscheinbaren Abschnitt nahe der Grenze.
Gerade die Verbindung von Landschaft und Geschichte macht die Wege rund um Waidhaus besonders. Die Region liegt auf etwa 523 Metern Höhe im Oberpfälzer Wald. Ihre Pfade führen durch eine Landschaft, die über Jahrhunderte hinweg genutzt, kontrolliert, durchquert und immer wieder neu bewertet wurde. Drei Routen zeigen diese Entwicklung besonders anschaulich: der Nurtschweg als Fernwanderweg, die Frankenreuth-Runde mit ihrem klaren Bezug zur jüngeren Grenzgeschichte und die Sulzberg-Runde über den Alten Jägersteig, bei der Naturwald und historische Wegespuren eng beieinanderliegen.
Vom Handelsweg zur verbotenen Grenze: Die Geschichte der Waidhauser Pfade
Waidhaus liegt in einer Grenzregion, deren Wege nie bloß Verbindungen zwischen zwei Orten waren. Sie bestimmten, welche Waren transportiert wurden, wo Menschen passieren konnten und welche Orte wirtschaftlich an Bedeutung gewannen. Besonders wichtig war die sogenannte Goldene Straße.
Kaiser Karl IV. verlegte im 14. und 15. Jahrhundert die Handelsroute über Bärnau. Dadurch wurde die direkte Wegführung über Waidhaus und Pfraumberg zur sogenannten Verbotenen Straße. Diese Bezeichnung verweist auf eine politische und wirtschaftliche Ordnung, in der eine bestehende Verbindung ihre offizielle Bedeutung verlor. Der Weg verschwand dadurch nicht aus der Landschaft. Er wurde jedoch aus dem regulären Handelsverkehr herausgenommen und erhielt einen anderen historischen Stellenwert.
Für Wandernde ist dieser Zusammenhang entscheidend: Ein historischer Weg muss nicht vollständig erhalten sein, um in der Landschaft noch lesbar zu bleiben. Seine Bedeutung kann sich in der Lage eines Ortes, in alten Übergängen, in Geländeverläufen oder in der späteren Nutzung eines Steigs zeigen. Die Geschichte liegt nicht immer als sichtbare Mauer am Wegesrand. Oft steckt sie in der Frage, warum ein Weg genau dort verläuft und nicht einige hundert Meter weiter.
Die Grenzgeschichte bei Waidhaus reicht außerdem weit über das Mittelalter hinaus. Im 20. Jahrhundert wurde die Grenze zwischen Bayern und Böhmen zu einem Raum der Trennung. Der Eiserne Vorhang teilte nicht nur Staaten, sondern auch Familien, Arbeitswege und vertraute Landschaftsräume. Am 23. Dezember 1989 wurde diese Trennung bei Waidhaus und Rozvadov symbolisch sichtbar beendet: Der deutsche Außenminister Hans-Dietrich Genscher und sein tschechoslowakischer Amtskollege Jiří Dienstbier zerschnitten dort den Eisernen Vorhang.
Heute können wir die Grenze wieder als Landschaft erleben. Das bedeutet allerdings nicht, dass jede historische Spur eindeutig beschildert oder museal aufbereitet ist. Wer die historischen Wanderwege rund um Waidhaus verstehen möchte, sollte deshalb bereit sein, Naturbeobachtung und Ortskenntnis miteinander zu verbinden.
Ein Grenzweg erzählt seine Geschichte nicht nur an Gedenkorten. Er erzählt sie auch durch das, was lange fehlte: freie Übergänge, offene Verbindungen und ungehinderte Wege.
Drei Routen, drei historische Blickwinkel
Die drei Wege unterscheiden sich deutlich in Länge, Charakter und historischer Schwerpunktsetzung. Der Nurtschweg eignet sich für alle, die eine längere Wanderung mit Fernwanderweg-Atmosphäre suchen. Die Frankenreuth-Runde bringt die deutsch-tschechische Grenze und die Ereignisse von 1989 besonders nah. Die Sulzberg-Runde wiederum verbindet Naturwald, Höhenweg und den Alten Jägersteig.
| Route | Länge und Dauer | Historischer Schwerpunkt | Landschaftlicher Charakter |
|---|---|---|---|
| Nurtschweg, Etappe Eslarn–Waidhaus | 10,9 km | Grenzraum und Weggeschichte, Nähe zum Ulrichsberg | Fernwanderweg, Wald- und Höhenabschnitte |
| Frankenreuth-Runde, Tour 3 | etwa 9 km, ungefähr 2 Stunden | Grenzübergang, Eiserner Vorhang und Öffnung 1989 | Rundweg über Schanzberg, Oberströbl und Haselruh |
| Sulzberg-Runde / Waidhauser Runde | je nach Variante etwa 7,2 bis 13 km | Alter Jägersteig und historische Nutzung der Landschaft | Naturwaldreservat Altes Schloss, Sulzberg und Waldsteige |
Die Angaben machen bereits deutlich, dass historische Tiefe nicht automatisch eine besonders lange Strecke voraussetzt. Die Frankenreuth-Runde ist vergleichsweise kompakt und lässt sich gut als eigenständige historische Wanderung planen. Beim Nurtschweg entsteht das Verständnis stärker aus dem Unterwegssein: Die Geschichte liegt dort in der Einordnung des Grenzraums und in der Verbindung mehrerer Landschaftspunkte. Auf der Sulzberg-Runde ist es vor allem der Übergang zwischen Naturwald und altem Steig, der den Blick auf die Nutzungsgeschichte lenkt.
Der Nurtschweg: Fernwandern mit Grenzbezug
Der Nurtschweg ist als Fernwanderweg E6 in den überregionalen Zusammenhang eingebunden. Die Strecke wurde 2013 als Qualitätsweg Wanderbares Deutschland zertifiziert. Die Etappe zwischen Eslarn und Waidhaus ist 10,9 Kilometer lang und streift den Ulrichsberg.
Für die historische Wahrnehmung des Weges ist seine Einbindung in ein größeres Wegenetz besonders interessant. Ein Fernwanderweg zeigt, dass Landschaft nicht nur aus einzelnen Rundkursen besteht. Er verbindet Orte über größere Distanzen und macht deutlich, wie Wege auch heute noch Beziehungen zwischen Regionen herstellen. Der historische Grenzraum wird dadurch nicht isoliert betrachtet, sondern als Teil einer Landschaft, die nach Böhmen und in den Oberpfälzer Wald hineinweist.
Der Ulrichsberg ist dabei mehr als ein Orientierungspunkt. Höhenlagen verändern die Wahrnehmung einer Region. Von oben erscheint die Landschaft als zusammenhängender Raum, während die politische Grenze am Boden eine Trennlinie bildet. Diese Spannung gehört zur Grenzgeschichte: Die Natur kennt keine Staatsgrenze, die Verwaltung und die Politik haben sie dennoch über Jahrhunderte festgelegt und bewacht.
Wer den Nurtschweg als historische Wanderung plant, sollte den Charakter einer Etappe berücksichtigen. Es handelt sich nicht um einen kurzen Rundweg mit Rückkehr zum Ausgangspunkt, sondern um einen Abschnitt einer längeren Verbindung. Die Organisation von An- und Rückreise gehört deshalb zur eigentlichen Tourenplanung. Gerade dadurch unterscheidet sich der Nurtschweg von den beiden Rundwegen bei Waidhaus.
Auch die Markierung und die aktuellen Wegeverhältnisse sollten vor dem Start geprüft werden. Ein zertifizierter Qualitätsweg steht für definierte Anforderungen an Wegeführung und Wandererlebnis, ersetzt aber nicht die eigene Vorbereitung. Wetter, Forstarbeiten und saisonale Veränderungen können den Charakter einzelner Abschnitte beeinflussen.
Die Frankenreuth-Runde: Grenzgeschichte auf neun Kilometern
Die Grenzwanderung Tour 3 führt von Waidhaus über Frankenreuth, zur Grenze und wieder zurück. Die Runde ist etwa 9 Kilometer lang und wird mit einer Gehzeit von ungefähr zwei Stunden angegeben. Ihr Weg führt über den Schanzberg, Oberströbl und Haselruh.
Im Vergleich zu den anderen beiden Routen ist die historische Aussage dieser Wanderung besonders unmittelbar. Die Grenze ist nicht nur ein allgemeiner Hintergrund, sondern ein konkreter Bestandteil des Wegverlaufs. Die Wanderung eignet sich deshalb für alle, die die Geschichte des Grenzlandes nicht ausschließlich über mittelalterliche Handelswege betrachten möchten, sondern auch die politischen Brüche des 20. Jahrhunderts nachvollziehen wollen.
Die symbolische Durchtrennung des Eisernen Vorhangs am 23. Dezember 1989 veränderte die Bedeutung dieses Raums grundlegend. Ein Ort, der zuvor für Trennung und Kontrolle stand, konnte wieder als Verbindung zwischen Deutschland und Tschechien wahrgenommen werden. Für Wandernde ist das heute besonders eindrucksvoll, weil sich die frühere Unzugänglichkeit kaum noch aus dem bloßen Anblick des Waldes ablesen lässt. Die Landschaft wirkt ruhig und selbstverständlich. Ihre politische Vergangenheit muss man kennen, um sie wahrzunehmen.
Gerade deshalb sollte man auf dieser Route nicht nur auf die zurückgelegten Kilometer achten. Der eigentliche Wert der Frankenreuth-Runde liegt in den Übergängen:
1. Vom Ort in den Landschaftsraum: Der Weg beginnt in Waidhaus und führt aus dem Siedlungsbereich in die bewaldete Umgebung. Damit wird verständlich, wie eng die Geschichte des Marktes mit den umliegenden Wegen verbunden ist.
2. Vom Höhenzug zur Grenze: Über Schanzberg und die weiteren Wegpunkte verändert sich die Perspektive. Die Grenze erscheint nicht als abstrakte Linie auf einer Karte, sondern als Teil eines Geländes, das seit langer Zeit durchquert wird.
3. Von der Trennung zur Verbindung: Die Ereignisse von 1989 geben dem Weg eine jüngere historische Schicht. Der heutige Wanderweg steht damit für eine Nutzung, die früher in dieser Form nicht möglich gewesen wäre.
4. Von der Erinnerung zur Verantwortung: Wer heute frei über die Grenze wandern kann, erlebt die Errungenschaft nicht nur in einem historischen Rückblick. Sie zeigt sich ganz praktisch in der offenen Bewegungsmöglichkeit.
Die Runde ist mit ihren ungefähr neun Kilometern für viele Wandernde gut als halbtägige Unternehmung geeignet. Die angegebene Dauer von etwa zwei Stunden sollte jedoch als reine Gehzeit verstanden werden. Wer an historischen Punkten verweilt, Landschaft beobachtet oder mit Kindern unterwegs ist, wird mehr Zeit benötigen. Das ist kein Nachteil, sondern gehört zu einer Wanderung, deren Thema sich nicht im schnellen Durchlaufen erschöpft.
Was die Frankenreuth-Runde von einem Geschichtsweg unterscheidet
Ein klassischer Geschichtsweg arbeitet häufig mit dicht gesetzten Informationstafeln und klar markierten Stationen. Die Frankenreuth-Runde ist vor allem ein Weg durch den historischen Raum. Ihre Wirkung entsteht aus der Verbindung von Strecke, Grenzlage und Hintergrundwissen. Wer eine vollständig kommentierte Ausstellung im Freien erwartet, könnte die Route als zurückhaltend empfinden. Wer dagegen die Landschaft selbst als historische Quelle begreift, bekommt einen offenen Zugang.
Das macht die Wanderung auch für Familien interessant. Kinder verstehen Grenzgeschichte oft leichter, wenn sie an eine konkrete Frage anknüpfen können: Warum war dieser Weg früher nicht frei zugänglich? Was bedeutet es, wenn eine Grenze plötzlich geöffnet wird? Und weshalb bleibt die Landschaft dieselbe, obwohl sich ihre politische Bedeutung verändert?
Solche Fragen führen direkt in die Regionalgeschichte, ohne dass man sie mit akademischen Begriffen überladen muss.
Der Alte Jägersteig und die Sulzberg-Runde
Die Waidhauser Runde zum Pleysteiner Sulzberg setzt einen anderen Schwerpunkt. Sie führt über das Naturwaldreservat Altes Schloss sowie über den historischen Alten Jägersteig hinab zur Hagendorfer Straße. Je nach gewählter Variante umfasst die Route etwa 7,2 bis 13 Kilometer.
Hier liegt die Geschichte weniger in einem einzelnen politischen Ereignis, sondern in der Beziehung zwischen Wald und menschlicher Nutzung. Ein Jägersteig ist zunächst ein Weg, der aus einer bestimmten Nutzung heraus entstanden ist. Er verweist auf Bewegungen durch den Wald, auf Kenntnisse des Geländes und auf eine Zeit, in der Wege stärker an konkrete Tätigkeiten gebunden waren. Zugleich sollte man bei der historischen Einordnung vorsichtig bleiben: Die vollständige überlieferte Geschichte des Alten Jägersteigs ist nicht in allen Einzelheiten bekannt.
Das schmälert seinen Wert nicht. Im Gegenteil: Gerade die sichtbare Zurückhaltung verlangt einen aufmerksamen Blick. Ein schmaler Steig, ein Geländeabfall oder eine auffällige Linienführung können Hinweise auf frühere Nutzungen geben, ohne dass sich daraus jede Einzelheit sicher ableiten lässt. Regionalgeschichte besteht häufig aus solchen Fragmenten. Sie wird aus schriftlichen Quellen, Ortsüberlieferungen und der Beobachtung der Landschaft zusammengesetzt.
Das Naturwaldreservat Altes Schloss bringt eine ökologische Ebene hinzu. In einem Naturwald dürfen natürliche Prozesse stärker hervortreten. Bäume sterben, fallen um und werden zu Lebensraum für Pilze, Käfer und andere Organismen. Totholz ist dabei kein Zeichen von Unordnung, sondern ein wichtiger Bestandteil des Waldökosystems. Wo abgestorbene Stämme liegen bleiben, entstehen neue Strukturen: feuchte Mulden, geschützte Spalten und Nahrungsgrundlagen für zahlreiche Arten.
Für uns Wandernde kann dieser Zusammenhang unmittelbar erfahrbar werden. Ein alter Steig führt durch einen Wald, der nicht nur Kulisse für eine historische Route ist, sondern selbst eine fortlaufende Geschichte besitzt. Der Mensch hat Wege angelegt und genutzt; der Wald verändert diese Wege mit der Zeit wieder. Wurzeln heben den Boden an, Wasser wäscht Rinnen aus, junge Bäume schließen Lücken. Auf diese Weise treffen Kulturgeschichte und Naturdynamik auf demselben Pfad aufeinander.
Der Alte Jägersteig ist dort am eindrucksvollsten, wo er nicht wie ein fertiges Denkmal wirkt, sondern als Spur zwischen menschlicher Nutzung und natürlicher Veränderung lesbar bleibt.
Welche Variante passt zu welchem Wandertag?
Die kürzere Variante der Sulzberg-Runde eignet sich, wenn der Schwerpunkt auf dem unmittelbaren Natur- und Wegerlebnis liegen soll. Wer mehr Zeit mitbringt und die Landschaft langsamer aufnehmen möchte, kann eine längere Variante bis etwa 13 Kilometer wählen. Die Entscheidung hängt weniger von einer angeblich besten Streckenlänge ab als von der eigenen Tagesform und dem gewünschten Tempo.
| Wenn Sie vor allem … | Dann passt eher … | Warum |
|---|---|---|
| die jüngere Grenzgeschichte nachvollziehen möchten | Frankenreuth-Runde | Die Route führt direkt zur Grenze und knüpft an die Ereignisse von 1989 an |
| eine längere Verbindung im Grenzraum suchen | Nurtschweg-Etappe | Die 10,9 Kilometer verbinden Fernwanderweg, Waldraum und Ulrichsberg |
| Naturwald und historische Wegespuren verbinden möchten | Sulzberg-Runde | Altes Schloss und Alter Jägersteig ergänzen sich thematisch |
| eine überschaubare Rundtour planen möchten | Frankenreuth-Runde oder kürzere Sulzberg-Variante | Beide lassen sich als eigenständige Wanderungen anlegen |
| regionale Wegepflege kennenlernen möchten | Rundweg Waidhaus–Hagendorf–Waidhaus | Der etwa 7 Kilometer lange Weg ist mit einem roten Punkt auf weißem Grund markiert |
Der Rundweg nach Hagendorf gehört nicht zu den drei ausführlich verglichenen Grenzsteigen, ist aber als Ergänzung interessant. Der Oberpfälzer Waldverein betreut und pflegt diesen Weg ebenso wie weitere Wanderwege im Raum Waidhaus. Eine solche Markierung wirkt auf den ersten Blick unspektakulär. Tatsächlich ist sie ein Stück Infrastruktur, das Orientierung ermöglicht und die Verbindung zwischen Ortsgemeinschaft, Landschaft und Wandernden sichtbar macht.
Goldene Straße, Grenzland und die Frage nach dem richtigen Weg
Wer nach historischen Wanderwegen in Waidhaus sucht, stößt schnell auf verschiedene Begriffe: Goldene Straße, Grenzlandweg, historische Pfade im Oberpfälzer Wald oder Geschichtsweg. Diese Bezeichnungen beschreiben jedoch nicht immer dasselbe.
Die Goldene Straße steht für einen historischen Verkehrs- und Handelszusammenhang, der durch die Verlagerung der Route über Bärnau eine neue Bedeutung erhielt. Der Begriff Verbotene Straße bezeichnet in diesem Zusammenhang die direkte Wegführung über Waidhaus und Pfraumberg, die nicht mehr der offiziellen Handelsroute entsprach. Daraus folgt nicht, dass es sich heute um eine gesperrte Wanderstrecke handelt. Historische Bezeichnungen und aktuelle Wegerechte müssen voneinander getrennt werden.
Ein Grenzlandweg wiederum kann als thematische Beschreibung für Wege verstanden werden, die die Geschichte und Landschaft des Grenzraums erschließen. Der Nurtschweg ist als Fernwanderweg klar eingeordnet. Die Frankenreuth-Runde ist eine lokale Rundwanderung mit einem ausgeprägten Grenzbezug. Die Sulzberg-Runde erschließt historische Wegspuren eher über ihre Landschaftsgeschichte.
Diese Unterschiede helfen bei der Tourenwahl. Nicht jeder historische Pfad ist ein ausgeschilderter Geschichtsweg, und nicht jede Route mit Grenznähe erzählt automatisch dieselbe Geschichte. Die wichtigste Frage lautet deshalb: Welche historische Ebene möchten wir beim Wandern sichtbar machen?
- Handel und überregionale Verbindungen: Die Geschichte der Goldenen Straße und die Einordnung des Waidhauser Raums in alte Verkehrswege.
- Politische Teilung und Öffnung: Die Grenze, der Eiserne Vorhang und die symbolische Handlung vom Dezember 1989.
- Waldnutzung und lokale Überlieferung: Der Alte Jägersteig, das Naturwaldreservat und die Spuren früherer Tätigkeiten.
- Gemeinschaft und Heimatpflege: Die Pflege der Wege durch den Oberpfälzer Waldverein und die Weitergabe regionaler Geschichte.
Die Wanderung vorbereiten: Was unterwegs wirklich hilft
Eine historische Wanderung braucht keine umfangreiche Ausrüstung, aber sie verlangt eine andere Aufmerksamkeit als ein reiner Spaziergang. Wer nur die Kilometerleistung im Blick hat, übersieht leicht die Zusammenhänge, die den Weg besonders machen.
Für die drei Routen bewährt sich eine einfache Vorbereitung:
1. Die Wegeart klären: Beim Nurtschweg handelt es sich um eine Etappe eines Fernwanderwegs, während Frankenreuth- und Sulzberg-Runde als Rundwanderungen angelegt sind. Das beeinflusst Anreise, Rückkehr und Zeitplanung.
2. Die gewünschte historische Ebene festlegen: Wer die Ereignisse von 1989 verstehen möchte, wählt die Grenzwanderung über Frankenreuth. Wer alte Nutzungsformen und Waldentwicklung verbinden möchte, ist am Sulzberg besser aufgehoben.
3. Die Gehzeit nicht mit der Aufenthaltszeit verwechseln: Zwei Stunden für etwa neun Kilometer können als reine Gehzeit ausreichen. Gespräche, Pausen, Naturbeobachtung und historische Stationen verlängern den Aufenthalt.
4. Markierungen und aktuelle Bedingungen prüfen: Die Wege werden gepflegt, dennoch können Wetter, Forstarbeiten oder Veränderungen am Untergrund die Begehbarkeit beeinflussen.
5. Im Naturwald aufmerksam bleiben: Liegen gebliebene Bäume und unregelmäßige Wegabschnitte gehören zum natürlichen Prozess. Sie sind nicht automatisch ein Hinweis auf mangelnde Pflege.
6. Grenzregeln und Rücksicht beachten: Die heutige Offenheit des Grenzraums ist ein historischer Gewinn. Sie funktioniert dauerhaft nur, wenn Wandernde Wege, Natur und Anwohner respektieren.
Besonders bei Familien lohnt es sich, die Geschichte nicht als fertige Erklärung vorzutragen. Besser ist es, gemeinsam Beobachtungen zu sammeln: Wo wäre eine Grenze im Gelände überhaupt erkennbar? Warum könnte ein alter Steig an dieser Stelle verlaufen? Was verändert sich, wenn ein Handelsweg seine Bedeutung verliert? Auf diese Weise wird Heimatgeschichte zu einer Entdeckung, die im Gehen entsteht.
Symbolik der Freiheit: Was die Grenzöffnung für Wandernde bedeutet
Die Grenzöffnung von 1989 ist für die Region kein fernes politisches Ereignis. Sie wirkt in der heutigen Nutzung der Wege weiter. Dass wir uns auf einer Route dem Grenzraum nähern, dort verweilen und unseren Weg fortsetzen können, erscheint im Alltag selbstverständlich. Historisch betrachtet ist es das nicht.
Bei Waidhaus und Rozvadov wurde am 23. Dezember 1989 der Eiserne Vorhang symbolisch zerschnitten. Der Moment steht für das Ende einer politischen Trennung, die den Raum über Jahrzehnte geprägt hatte. Für Wandernde bekommt diese Geschichte eine besondere Anschaulichkeit, weil Wege genau das verkörpern, was Grenzen unterbrechen: Bewegung, Begegnung und Verbindung.
Die drei verglichenen Routen zeigen diese Entwicklung aus unterschiedlichen Richtungen. Der Nurtschweg steht für die überregionale Verbindung und die Einordnung der Grenzlandschaft in ein größeres Wegenetz. Die Frankenreuth-Runde führt zur konkreten historischen Trennlinie und macht die jüngere Vergangenheit zum Kern des Erlebnisses. Die Sulzberg-Runde erinnert daran, dass Geschichte nicht nur an politischen Schauplätzen stattfindet, sondern auch in der alltäglichen Nutzung eines Waldes.
Damit wird die Frage nach dem besten historischen Wanderweg bei Waidhaus letztlich zu einer Frage nach der eigenen Perspektive. Wer die Goldene Straße und die alten Verkehrsbeziehungen im Blick hat, sollte die Geschichte des Raumes von den Handelswegen her denken. Wer die deutsche und tschechische Grenzgeschichte verstehen möchte, findet auf der Frankenreuth-Runde den unmittelbarsten Zugang. Wer stille Spuren, Waldentwicklung und lokale Überlieferungen sucht, wird am Alten Jägersteig besonders aufmerksam unterwegs sein.
Die historische Grenzgeschichte lässt sich bei Waidhaus nicht auf eine einzelne Tafel und nicht auf einen einzigen Weg reduzieren. Sie liegt in der Verbindung aus Handelsroute, Grenzraum, Naturwald und Vereinsarbeit. Der Oberpfälzer Waldverein trägt dazu bei, dass diese Wege begehbar, auffindbar und als Teil der Heimat erfahrbar bleiben. Für uns als Wandernde bedeutet das: Wir betreten keine bloße Kulisse, sondern einen Raum, dessen Geschichte sich mit jedem Schritt weiter entfaltet.
Wer in Zukunft durch den Oberpfälzer Wald rund um Waidhaus wandert, wird deshalb vielleicht genauer hinsehen. Ein alter Steig kann ein Hinweis auf frühere Waldnutzung sein, eine freie Grenze auf eine überwundene Trennung und ein gepflegter Rundweg auf das Engagement einer Gemeinschaft. So bleiben historische Pfade lebendig – nicht, weil sie unverändert wären, sondern weil wir ihre Bedeutung immer wieder neu mit der Landschaft verbinden.