Auf dem Priesterpfad durch die unberührte Wildnis von Lappland
Der Guardian berichtet über den Präststigen, einen rund 60 Kilometer langen Trekking-Pfad im schwedischen Lappland, der von Kvikkjokk zur abgelegenen Kapelle Alkavare führt.

Der Name bedeutet übersetzt „Priesterpfad": die Route folgt dem Weg, den Geistliche früher zur Kapelle nahmen, um dort den Sommer-Gottesdienst abzuhalten. Die 1788 erbaute Kapelle liegt am Westrand des Sarek-Nationalparks – einem Schutzgebiet ohne markierte Wege, touristische Hütten oder ausgewiesene Zeltplätze. Sechs Nächte, volle Selbstversorgung und arktische Witterung – so lauten die harten Eckdaten für den Mehrtagesgeher.
Streckenprofil und Logistik
Kvikkjokk liegt etwa eine Stunde westlich von Jokkmokk und ist über die Stadt erreichbar, die selbst nördlich des Polarkreises liegt. Von Kvikkjokk führt eine kurze Bootsüberfahrt über den Sakkat-See zum Trailhead, danach beginnt der Trek ohne weitere Infrastruktur. Der erste Abschnitt steigt steil durch Birkenwald an, Serpentinen ziehen sich dicht durch das Gehölz, der Pfad ist mit Heidelbeeren und Moltebeeren gesäumt. Markierungen fehlen auf weiten Strecken; der Kungsleden – Schwedens bekanntester Fernwanderweg – kreuzt das Gebiet nur in kurzen Abschnitten. Die Route ist als Sechs-Nächte-Trek angelegt, mit Zelt, Schlafsack und Proviant für die gesamte Dauer im Rucksack. Wegmarkierungen sind Mangelware, die Orientierung läuft über Karte und Erfahrung.
Terrain und kultureller Rahmen
Der Sarek-Nationalpark gehört zum weiteren Laponia-Gebiet, das die UNESCO 1996 als Weltkulturerbe anerkannt hat – sowohl für seinen Naturwert als auch für seine Kulturgeschichte. Die Region ist traditionelles Rentierweideland der Samen, deren Spuren das Landschaftsbild prägen. Der lokale Guide Christian Heimrot von Laponia Adventures weist laut Guardian darauf hin, dass der Begriff „Wildnis" die Lebenswirklichkeit der Samen überdeckt; die Menschen haben dort seit Jahrtausenden gelebt, gearbeitet und die Landschaft gestaltet. Entsprechend zurückhaltend ist das Verhalten gegenüber Weideflächen und Herden zu planen. Für das kommende Jahr plant Laponia Adventures laut Bericht eine geführte Variante des Präststigen.
Vorbereitung und Sicherheit
Wer den Pfad geht, muss mit schwerem Rucksack, Wildcamping und wechselhaftem arktischem Wetter rechnen. Wind, Regen und Temperaturstürze sind auch im Sommer die Regel; in der Kapelle Alkavare pfeift der arktische Wind laut Bericht durch die mit Rentierhaar gedämmten Trockenmauern. Wasserdichte Jacken und feste Wanderschuhe sind Pflicht, vollständige Notfallausrüstung und solide Navigation unverzichtbar. Der jährliche Gottesdienst in der Kapelle findet am letzten Juli-Wochenende statt; wer ihn besuchen will, muss Vorlaufzeit bei Anreise und Rückweg einkalkulieren. Grundregel: ohne bewährten Routenplan, topografisches Kartenmaterial und Rückfallstrategie nicht aufbrechen.